A.R.T. e.V.


Akademie für Resilienz und Traumaberatung

KiTrab - Kindergruppen zur Traumabewältigung



Traumatisierte Flüchtlingskinder brauchen schnelle Hilfe, wenn ihre Integration gelingen und gravierende Störungen in der weiteren kindlichen Entwicklung verhindert werden sollen. Aus diesem Gedanken heraus hat A.R.T. e.V. im Jahr 2017 eine „Erste Hilfe für die Seele“ für diese Kinder initiiert. Mit „KiTrab“ wurde ein neues Format entwickelt, um professionelle Unterstützung für Gruppen von 10 Flüchtlingskindern zwischen 6 und 12 Jahren anzubieten.

Die Kindergruppen treffen sich über 10 Wochen jeweils für eine Stunde. In dieser Stunde spielt jedes Kind in einer eigenen kleinen Sandkiste und es gibt verschiedenes Spielzeug zur Auswahl (z.B. Kriegsspielzeug, Tiere, Muscheln, Glassteine, Figuren…) Das Kind kann Bilder und Szenen in seinem Sandkasten frei gestalten und auf diese Weise seine schlimmen Erlebnisse aufarbeiten. Ergänzend werden noch kindgerechte Übungen zur Selbstregulation und -beruhigung durchgeführt.

Das innovative Konzept sieht dabei eine 1:1 Begleitung jedes Kindes durch von A.R.T. e.V. fortgebildete freiwillige Helfer*innen unter der Leitung eines speziell ausgebildeten Leitungstandems vor.



Mit „KiProb - Kindergruppen zur Problembewältigung“ und „SanZ – SandspielZeit“ sind weitere bedarfsgerechte Konzepte entwickelt worden. Die Grundidee bei allen Angeboten ist es, die Selbstheilungskräfte und Ressourcen der betroffenen Kinder so zu stärken, dass diese ihre belastenden Erfahrungen aus eigener Kraft verarbeiten und resilienter werden. So kann möglichen posttraumatischen Belastungsstörungen vorgebeugt werden.

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SandspielZeit - SanZ im Flutgebiet Erftstadt in Kooperation mit der Donatus Grundschule Erftstadt-Liblar (Februar bis April 2022)

„Als die Erft zu Besuch kam“, - so undramatisch betitelt die Donatus Grundschule in Erftstadt-Liblar die Sonderausgabe ihrer Schülerzeitschrift zur Flutkatastrophe im Juli 2021. So wie jeder Besuch Spuren hinterlässt, so auch dieser. Das Titelbild der Schülerzeitschrift zeigt es: zerstörte Häuser, nicht aufzuhaltende Wassermassen, Verlust an Vertrautem, Angst und Verzweiflung.

Nachdem viele Kinder erleben mussten, dass sich in der Pandemie ihre vertraute Schule in eine potenzielle Gefahrenquelle für Infektionen verwandelte und schließen musste, wurde dann noch durch die Flutkatastrophe das als sicher empfundenes Zuhause mancher Kinder zerstört.

Die Donatus Schule hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, dass die Kinder ihre Schule wieder als sicheren Ort erfahren können, der sie ermutigt, unterstützt und stärkt. Dafür suchte sie nach Sponsoren für ihre zahlreichen Projekte: kulturelle, kreative und spielerische Angebote sowie psychosoziale Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder, die es dringend benötigen.

Auf Initiative der Schulärztin des Gesundheitsamtes Rhein-Erft-Kreis, Dr. Kubini, wurde die „SandspielZeit – SanZ,“ als niedrigschwellige Form der Traumabegleitung für Kinder, die besonders stark von der Hochwasserkatastrophe betroffen sind, bei A.R.T. e.V. angefragt.

In Absprache zwischen den SanZ-Berater:innen, Schulleitung, Kollegium und Eltern wurde die SandspielZeit von Februar bis Ende April mit sechs Kindern über zehn Wochen durchgeführt.

Viele Kinder haben nach der Katastrophe verändertes Verhalten entwickelt: z.B. Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Angstzustände (vor allem bei Regenwetter), manche zogen sich sehr zurück oder zeigten „übertriebenen Hilfsaktivismus“. Auch die Belastung der Eltern wurde in den Gesprächen deutlich.

Allen Kindern war anzumerken, wie gerne sie zur SandspielZeit gekommen sind. Wie z.B. der kleine L., der bei der ersten Stunde zunächst weinend mit den Worten „Ich will nicht reden“ in der Tür stand, dann aber mit umso mehr Freude und Spaß im Sand spielte., Hier konnte er sich frei und kreativ ausdrücken ohne irgendeine Art von Erklärungen abgeben zu müssen. Parallel erlebten die Kinder bei der Durchführung gezielter Übungen einen Zuwachs an Sicherheit, Stärke und Wohlgefühl.

In den Abschlussgesprächen berichteten die Eltern von der Freude der Kinder am Sandspiel und von positiven Veränderungen im Verhalten, z.B., dass Schlafstörungen abgenommen hätten und dass wieder mehr Lebensfreude und Aufgeschlossenheit zurückgekehrt seien.

„Schlecht finde ich nur, dass die SandspielZeit immer so schnell vorbei ist“. Aus diesem Zitat eines Kindes wird deutlich, dass ‚SanZ’ seinen Teil dazu beigetragen hat, das Konzept der Schule umzusetzen, wieder ein Ort der Sicherheit und des Vertrauens zu werden.

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